Lactobacillus = Milchsäurebakterium? Auch, aber nicht nur!

Lactobacillus = Milchsäurebakterium? Nein, obwohl man das fast so übersetzen könnte. Dabei ist aber Lactobacillus nicht gleich Milchsäurebakterium, denn zu den Milchsäurebakterien zählen nicht nur die Lactobacillus Spezies, sondern auch die Bifidobakterien, Strepptokokken, Enterokokken etc.

Gibt es eine nachgewiesene positive Wirkung von Lactobacillus auf unsere Gesundheit?

Wirkung von Lactobacillus

In diesem Artikel habe ich die Eigenschaften der verschiedenen Lactobacillus Spezies zusammengestellt, weil ich wissen wollte, welche Wirkung eigentlich hinter der Einnahme von Probiotika-Präparaten stecken könnte. Dabei habe ich nicht einfach nur die Eigenschaften der Lactobacillus Spezies recherchiert und zusammengetragen sondern auch Studien gesucht, die diese Eigenschaften beweisen oder zumindest im schulmedizinischen Sinne Hinweise geben. Hinweise = Wirkung an Mäusen bewiesen, Wirkung in vitro (Reagenzglas/Petrischale) bewiesen. Und ich bin beeindruckt. Zum einen von den Potenzialen von Lactobacillus, Krankheiten zu lindern oder sogar zu heilen. Zum Anderen davon, dass die Schulmedizin nur so wenig auf Probiotika setzt. Warum wird nicht mehr geforscht? Warum gibt es nicht das ultimative Probiotikum-Präparat mit allen „guten“ Darmbakterien? Wäre es sinnvoll für verschiedene Krankheiten unterschiedliche Probiotika-Cocktails zu entwickeln?

Aber zu allererst, wie wird Lactobacillus denn bereits genutzt?

Bekannte Anwendungen

  • Sauerkraut
  • Sauerteig
  • Sauermilch
  • Joghurt
  • Probiotika-Präparate
  • Käse
  • Rohwurst
  • Silage (Grünzeug, Mais etc. Wird in Silos durch Milchsäuregärung zu Futtermittel für Nutztiere.)

Zugehörigkeit & Eigenschaften

  • Die Gattung Lactobacillus gehört zur Familie der Lactobacteriaceae (Milchsäurebakterien)
  • Die Gattung Lactobacillus stellt unter den Milchsäurebakterien mit Abstand die größte Gruppe der Bakterien, aber das hast du ja im Inhaltsverzeichnis gesehen.
  • Wissenschaftliches:
    • Gram-positiv
    • Katalase-negativ
    • Oxidase-negativ
  • Nicht sporenbildend (Endosporen / Dauerformen)
  • Sauerstoffverbrauch: Fakultativ Anaerob / aerotolerant
  • Keine aktive Bewegung
  • Stäbchenförmige Milchsäurebakterien: Die Art bildet lange, gleichmäßige Stäbchen (Stäbchen oder Kurzstäbchen) mit abgerundeten Enden, einzeln, in Paaren oder Ketten.

Stoffwechsel

  • Vorkommen von Lactobacillus:
    Lactobacillus kommt hauptsächlich in Pflanzenmaterial sowie auf Schleimhäuten von Menschen und Tieren vor.
  • Laktobazillen sind auxotroph, was so viel bedeutet wie: Sie sind auf viele essentielle Stoffe angewiesen, die sie nicht selbst herstellen können. Sie sind also keine Minimalisten wie z.B. die Bifidobakterien, daher findet man sie an nährstoffreichen Standorten. Sie benötigen Kohlenhydrate, Aminosäuren, Vitamine, Spurenelemente und Nukleinsäurederivaten. All diese Nährstoffe finden sich im Dünndarm. Aber vor allem sind Laktobazillen auf das Vorhandensein größerer Mengen Kohlenhydrate angewiesen: Dextrine, Glucose, Fructose, Maltose, Saccharose, Laktose und Maltotriose werden verstoffwechselt.
    Milch ist daher prädestiniert, um die Lebensumgebung von Lactobacillus zu sein.
  • Obligate Gärer:
    • Wachstum findet meist unter anaeroben Bedingungen, auch unter reduziertem Sauerstoffpartialdruck möglich. Kurz: anaerob, aber aerotolerant.
  • Die Energiegewinnung findet bei Lactobacillus über zwei Arten des Kohlenhydratabbaus statt.
    • Homofermentativ: per Embden-Meyerhof-Parnas-Weg wird aus 1 mol Glucose (Substrat) 2 mol Laktat (Ausgangsprodukt). Das Ausgangsprodukt ist bei dieser Gärung überwiegend Milchsäure (> 90%)
    • Heterofermentativ: Ausgangsprodukte sind Kohlendioxid, Ethanol, Diacetyl, Milchsäure und Essigsäure
  • Homofermentative Laktobazillen verursachen eine Säuerung, heterofermentative führen eine Trübung und Veränderung des Geschmackes herbei.
  • Lactobacillus ist in der Natur weit verbreitet und hat viele Anwendungen in der Ernährungsindustrie gefunden, da er die säuretoleranteste Bakterien-Gruppe unter den Milchsäurebakterien stellt.
  • Normwert im Dickdarm: 105-107
  • Normwert im Dünndarm: 103-106
  • Lactobacillus-Arten sind Antagonisten anderer Bakterienarten und hindern diese in ihrem Wachstum.
  • Viele Laktobazillen sind Hersteller von Phytase und Amylase.
Was ist Phytase?

Phytase ist ein Enzym, das Phytin unschädlich macht. Phytin behindertdie Mineralienaufnahme , indem es Mineralien an sich bindet. Stoffe, die die Nährstoffaufnahme verhindern, nennt man Antinährstoffe. Phytin kommt vor allem in Vollkorngetreide vor.

Was ist Amylase?

Amylase ist ein wichtiges Enzym der Verdauung. Amylase spaltet große Zuckermoleküle auf, so dass kleinere Zuckermoleküle vom Dünndarm absorbiert und ins Blut aufgenommen werden können. Amylase ist ein Bestandteil des Speichels und des Bauchspeichels, wird aber auch von vielen Bakterien zur Energiegewinnung hergestellt.

Probiotika?

Viele Laktobazillen sind nützliche Darmbewohner und überleben die Magen-Zwölffingerdarm-Passage, sprich Magensäure, Bauchspeichel und Galle. Somit sind die Bedingungen für die Bezeichnung Probiotika gegeben.

Negatives?

Aber was mich bei meinen Recherchen wirklich überrascht hat? Man kann auch an Lactobacillus erkranken, wenn er dorthin gelangt, wo er nicht hingehört, z.B. an die Herzinnenhaut. ⇒ Lactobacillus Endocarditis.

Lactobacillus Spezies

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9 Gedanken zu “Lactobacillus = Milchsäurebakterium? Auch, aber nicht nur!”

  1. Hallo Philipp,

    ersteinmal ein Kompliment für Deine Seite. Super, wie Du all das Wissen und die Informationen so gut kompakt und verständlich dargestellt hast.

    Ich habe eine Frage an Dich. Meinst Du, es ist möglich, einen Joghurt mit beispielsweise Symbiolact comp. oder einem anderen Milchsäurepräparat anzusetzen, so dass sich auch die Milchsäurebakterien in dem Joghurt vermehren können? Evtl. mit Inulin, damit sowohl die Milchsäurebakterien sich ernähren können als auch der Joghurt fester werden kann.

    Wäre eine Überlegung, damit man nicht auf Dauer auf die teuren Präparate zurückgreifen muss und evtl. nach abgeschlossener Darmsanierung mit täglichen Verzehr, von dieser Art angesetztem Joghurt, prophylaktisch weiter vorbeugen kann.

    LG Sara

    • Ich bin mir ziemlich sicher, dass das geht. Das ist die Herangehensweise von meinem Darmfloraaufbau. Die Frage ist nur, welcher Stamm sich besser vermehrt und wird die Zusammensetzung am Ende dieselbe sein, wie bei dem Ausgangsprobiotikum. Aber deine experimentelle Denke gefällt mir. Genauso gehe ich an alles ran. Einfach ausprobieren und berichten! :-)

      Aber, ich bin mir sicher, dass der Joghurt nicht schmecken wird, denn die Joghurthersteller verwenden ja nur bestimmte Kulturen und ich habe das mal mit irgendeinem Probiotikum gemacht … Damals, als ich wirklich viel herumexperimentiert habe. Der Joghurt war ekelig. Ich habe ihn mit dem Wissen, dass da viele nützliche Bakterien drin sind, runtergewürgt. Also lieber die Milch mit allem möglichen anrühren und dann trinken, der Joghurt entsteht dann quasi im Dünndarm, so meine Theorie. https://www.chronische-heilung.de/darmaufbau/

      LG
      Philipp

  2. Hallo Philipp,
    Du hast hier wirklich einen unglaublichen Fundus an Informationen zusammen getragen.
    Seit ein paar Tagen führe ich einen Selbsttest mit Lactacholin (40% rechtsdrehende Milchsäure) durch. Mich beschäftigt die Frage, ob es möglich wäre die hiervon erwartete Wirkung auch mit selbst erzeugtem Joghurt zu erreichen.
    Inzwischen habe ich gelesen, dass unter den Streptokokken und Bifidobakterien Spezien existieren, welche nahezu ausschließlich rechtsdrehende Milchsäure produzieren. Dabei gibt es Sauerstoff aufnehmende und Stickstoff abgebende und ebenso die umgekehrte Variante. Die Sauerstoff abgebenden sollen dabei zu favorisieren sein.
    Welche Arten sind sind das nun genau?
    in der Regel werden zur Joghurtherstellung Starterkulturen angeboten, welche verschiedene Milchsäurebakterien beinhalten.
    Bisher konnte ich keine Informationen zu den dabei produzierten isomeren Mischungsverhältnissen finden.
    Sind Spezien, welche ausschließlich rechtsdrehende Milchsäure erzeugen für die Joghurtbereitung geeignet?

    LG Gerhard

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